Was brauchen Kinder und Jugendliche heute?
Die Lebenszusammenhänge werden lockerer oder lösen sich auf. Was Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen früher Begegnung, Orientierung und auch Halt geben konnte (Familie, Verwandtschaft, Nachbarschaft, Schulgemeinschaft, Vereine usw.), verliert zunehmend an Bedeutung. Obwohl diese Bereiche kindlicher Sozialisation und jugendlicher Individuation brüchiger werden, bleibt das Bedürfnis nach Begegnung und Beziehung bestehen. Es ist aus der menschlichen Biographie gar nicht wegzudenken.
Heute brauchen Kinder und Jugendliche mehr denn je menschliche Aufmerksamkeit und pädagogische Unterstützung, die ihnen ermöglichen, ihre Individualität zu entfalten. Dabei geht es nicht nur um pädagogische Fachkompetenz, sondern um wirkliche menschliche Beziehung.
- Kinder und Jugendliche brauchen die Erfahrung, dass die in ihnen tief verborgenen Sinn-Fragen wahrgenommen und ihr Entschluss zum Leben bestätigt wird.
- Kinder und Jugendliche brauchen vor allem Erzieherinnen und Erzieher, die sie in ihren persönlichen Bedürfnissen und in ihrer Art, zu leben, akzeptieren, die sie in ihrer Entwicklung unterstützen und die ihnen vorleben, was es heißt, Mensch werden zu wollen.
- Das jüngere Kind braucht ein gestaltetes und geschütztes Umfeld, das seine schöpferischen Fähigkeiten, sein soziales Verhalten und ein sicheres Handeln anregt und fördert.
- Das Kind im Schulalter will die Welt erkunden und selbst erleben, wie Menschen – also auch ihre Bezugspersonen, die Erzieher oder Lehrer - Welt und Leben gestalten und umgestalten.
- Der Jugendliche braucht die Gewißheit, daß die notwendigerweise in Gefahr geratenden oder verlorenen Grundannahmen der Kindheit individuell erneut errungen werden können. Diese Gewißheit entsteht nicht durch Belehrung über den Sinn der Welt, sondern indem der jugendliche Mensch im praktischen Tun, in der unmittelbaren und existentiellen Auseinandersetzung mit der „wirklichen Welt“ selbst auf Sinnsuche geht und seinen Weg findet.


