Ausbildung jenseits des Lehrplans
„Was ich aus der Ausbildung für die Praxis mitgenommen habe? Ja, da sind natürlich Kenntnisse und einige Fertigkeiten, manches passt zuweilen, anderes kann ich noch nicht gebrauchen. Es ist eher so etwas wie die Erinnerung an ein gutes Lebensgefühl, an die Art, wie wir miteinander im Seminar gelebt und gearbeitet haben. Daraus habe ich oft Kraft und Mut geschöpft, mich den nun ganz neuen Herausforderungen zu stellen.“
Soweit eine Seminaristin im Rückblick auf die Ausbildung.
Damit nahmen die Seminaristen Bezug auf bestimmte Formen des Zusammenlebens und der Zusammenarbeit im Seminar, die für uns ein ganz wesentlicher Aspekt der Ausbildung sind.
Die Erzieherausbildung bedarf natürlich eines guten Unterrichts, eines an der beruflichen Wirklichkeit orientierten Lehrplans sowie einer sorgfältigen und intensiven Praxisbegleitung. Aber auch die Organisation des „Alltags“ im Berufskolleg ist für uns ein Aspekt von Ausbildung, z.B. im Hinblick auf Verantwortungs- und Handlungsfähigkeit sowie Verbindlichkeit, im späteren Berufsalltag unverzichtbare Basiskompetenzen.
Diese entstehen jedoch weniger durch „Unterricht“, sondern müssen „real“ gelebt und erlebt werden, brauchen Erfahrungsräume. Im folgenden sei auf einige Aspekte unseres „Fachschulalltags“ verwiesen:
Zurück zum Ausgangspunkt: „...Erinnerung an ein gutes Lebensgefühl, an die Art, wie wir miteinander im Seminar gelebt und gearbeitet haben.“ Geht es bei den genannten Aktivitäten und Aufgaben nur um die gemütliche Begleitmusik zur Ausbildung oder die vermeintliche Entlastung von Lehrern? Natürlich nicht. Es geht um den Kern des Ausbildungsanliegens.
Aus dem hier nur im Umriss Ausgeführten mag deutlich geworden sein, dass es möglich ist, durch die Organisation des „Schul-Lebens“ wesentlichen Zielen der Ausbildung reale Entwicklungsräume zu eröffnen.
Einige der oben angedeuteten Kompetenzen lassen sich gewiss auch im Rahmen von Projekten auf anderen Feldern einlösen; derartige Formen der Unterrichtsorganisation gibt es auch in unserem Haus. Sie haben aber zuweilen einen Nachteil: es sind „high-lights“. Warum nicht das „Schulleben“ als Projekt (mit langer Laufzeit) verstehen? Dann wird die Schule zum Lebensraum, ein lebendiges Milieu, das einen „Sog“ für Initiative und berufsrelevante Kompetenzen entwickelt. Insofern also nicht „Ausbildung jenseits des Lehrplans“, sondern Handlungs- und Erfahrungsfelder für das im Lehrplan Veranlagte.





